Was gilt im Fußball als Handspiel? Die Regel erklärt
By KickoffHQ Editorial · 3. Juli 2026
"Ball zur Hand oder Hand zum Ball?" Das ist die Streitfrage, die jede VAR-Verzögerung füllt. Die Handspielregel wurde in den letzten Jahren mehrfach umgeschrieben, und die aktuelle Fassung ist klarer, als ihr Ruf vermuten lässt. Hier ist, was wirklich zählt.
Wo die "Hand" beginnt
Zuerst die Abgrenzung. Für Handspielzwecke endet der Arm an der Unterkante der Achsel. Kontakt mit der Schulter ist kein Handspiel, egal wie sehr er die Flugbahn des Balls verändert. Diese Linie wurde bewusst so präzise gezogen, damit der VAR sie messen kann.
Die zwei Arten, ein Handspielvergehen zu begehen
Nach den aktuellen IFAB-Regeln liegt ein Vergehen vor, wenn ein Spieler:
- den Ball absichtlich mit Hand oder Arm berührt — einschließlich der Bewegung von Hand oder Arm zum Ball hin; oder
- den Ball mit einer Hand oder einem Arm berührt, die den Körper unnatürlich vergrößert haben — das heißt, die Armposition ist keine Folge der natürlichen Körperbewegung des Spielers in dieser Situation.
Der zweite Punkt ist der, mit dem Fans sich schwertun. Ein Verteidiger, der sich in einen Schuss wirft, braucht die Arme zum Gleichgewicht — das kann natürlich sein. Derselbe Verteidiger, der mit weit ausgebreiteten Armen wie ein Torwart hochspringt, hat sich größer gemacht und geht laut Regeltext ein Risiko ein, dass der Ball ihn trifft. Die Absicht spielt dabei keine Rolle — die Position schon.
Wann zufälliger Kontakt in Ordnung ist
Nicht jede Berührung ist ein Vergehen. In der Regel liegt kein Handspiel vor, wenn:
- der Ball vom eigenen Körper des Spielers (oder eines nahestehenden Mitspielers) auf einen nahen Arm abgefälscht wird.
- der Arm eng am Körper in natürlicher Haltung anliegt.
- der Spieler stürzt und der Arm sich zwischen Körper und Boden befindet, statt seitlich ausgestreckt zu sein.
- der Ball aus sehr kurzer Distanz geschossen wird, ohne dass Zeit zum Reagieren bleibt — sofern sich der Arm nicht bereits in einer unnatürlichen Position befand.
Die Ausnahme beim Torerfolg
Hier ist der strengste Teil der Regel. Erzielt ein Spieler ein Tor direkt mit Hand oder Arm — oder erzielt er ein Tor unmittelbar nachdem der Ball seine eigene Hand oder seinen Arm berührt hat —, wird das Tor aberkannt, selbst wenn der Kontakt vollkommen zufällig war. Maradonas "Hand Gottes" würde am ersten Kriterium scheitern; ein Stürmer, dessen Schuss vom eigenen Unterarm ins Tor abgefälscht wird, scheitert am zweiten. Wichtig: Das gilt nur für den Torschützen — ein zufälliges Handspiel eines Mitspielers zuvor im Spielzug hebt ein Tor allein nicht mehr auf.
Welche Strafe folgt
- Handspiel eines Verteidigers im eigenen Strafraum bedeutet einen Elfmeter; überall sonst gibt es einen direkten Freistoß.
- Absichtliches Handspiel, um ein Tor oder eine klare Torchance zu verhindern — die klassische Rettungstat eines Feldspielers auf der Torlinie — bringt zusätzlich zum Elfmeter eine rote Karte.
- Handspiel, das einen vielversprechenden Angriff unterbricht, ist eine gelbe Karte.
Der Torwart darf den Ball im eigenen Strafraum frei mit der Hand spielen, kann dort also nie wegen Handspiels einen Elfmeter verursachen — technische Vergehen wie das Aufnehmen eines absichtlichen Rückpasses bringen jedoch stattdessen einen indirekten Freistoß.
Warum der VAR es strenger wirken ließ
Der VAR hat die Regel nicht verändert, entdeckt aber Berührungen, die früher niemand sah, besonders im Spielaufbau vor Toren. Deshalb schnellte die Zahl der Elfmeter bei seiner Einführung nach oben — und deshalb hat die IFAB die Regel seither wieder etwas abgemildert und dem Schiedsrichter bei natürlichen Armhaltungen mehr Ermessensspielraum zurückgegeben.
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Häufige Fragen
Ist Handspiel immer eine absichtliche Handlung?
Nein. Absichtliches Handspiel ist immer ein Vergehen, aber ein Spieler kann auch für zufälligen Kontakt bestraft werden, wenn sein Arm den Körper für diese Bewegung unnatürlich vergrößert hat. Nicht bestraft wird nur unvermeidbarer Kontakt mit einem Arm in natürlicher, gerechtfertigter Haltung.
Kann ein Tor zählen, wenn der Ball den Arm des Torschützen trifft?
Nicht, wenn die Berührung unmittelbar vor dem Tor lag. Ein Tor direkt mit Hand oder Arm zu erzielen, oder unmittelbar nachdem der Ball die eigene Hand oder den eigenen Arm berührt hat, ist immer ein Vergehen — ob zufällig oder nicht. Ein zufälliges Handspiel eines Mitspielers zuvor im Spielzug hebt das Tor nicht auf.
Ist es Handspiel, wenn der Ball aus kürzester Distanz den Arm trifft?
Meist nicht, sofern sich der Arm in natürlicher Position befand. Schießt oder flankt ein Gegner aus sehr kurzer Distanz, akzeptiert die Regel, dass ein Spieler nicht rechtzeitig reagieren kann. Die Ausnahme ist ein bereits unnatürlich ausgestreckter Arm — das ist ein Risiko, das der Spieler eingegangen ist.
Wann führt Handspiel zu einer roten Karte?
Wenn ein Spieler (außer dem Torwart in seinem eigenen Strafraum) den Ball absichtlich spielt, um eine klare Torchance zu verhindern — typischerweise eine Blockade auf der Torlinie. Der Schiedsrichter gibt Elfmeter und stellt den Spieler vom Platz.
Kann der Torwart wegen Handspiels bestraft werden?
Nicht im eigenen Strafraum — dort ist es sein Privileg, den Ball mit der Hand zu spielen, weshalb dafür kein Elfmeter gegen ihn verhängt werden kann. Außerhalb des Strafraums wird er wie jeder Feldspieler behandelt, und technische Verstöße wie das Aufnehmen eines absichtlichen Rückpasses bringen einen indirekten Freistoß.
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